Wandel erleben in der Weite der Wüste
Wenn die Selbsterzählung verstummt – Die Wüste als Reallabor für Führung und Selbst-entwicklung.
In einer Welt, die niemals schläft, ist wahre Stille zum Luxusgut geworden.
Doch was passiert, wenn wir diesen Luxus radikal suchen? In dieser Folge spricht Martin Permantier mit unserem Gast, der Transformationsbegleiterin Nadja Zeschmann, über ihre Erfahrungen als Wüstenbegleiterin. Es ist eine Reise, die weit über das Wandern im Sand hinausgeht – eine Reise zum Kern des Menschseins.
Wenn die Masken im Sand versinken
Der Alltag lässt uns in Rollen schlüpfen: Wir sind die belastbare Führungskraft, die organisierten Eltern oder der unfehlbare Experte. Nadja beobachtet immer wieder: In der Wüste brechen diese „Selbsterzählungen“ zusammen. Zu Beginn der Reise steht ein ritueller Verzicht: Handys, Pässe und Schmuck werden abgegeben. Ohne diese Symbole und ohne die gewohnte Ablenkung durch Konsum oder digitale Reize bleibt vor allem man selbst übrig.
„Wer bin ich eigentlich, wenn ich meine Geschichte nicht mehr aufrechterhalten kann?“ – Wenn die Alltagsroutine fehlt und der Sandsturm die Planung umwirft, kann diese Frage im Sand zu einer existenziellen Erfahrung werden.
Von der Kontrolle zur Hingabe
Die Wüste ist kein „Touri-Abenteuer“, sondern ein physischer Lernraum. Nadja nutzt Methoden wie das Social Presencing Theater (nach Otto Scharmer), um den „U-Prozess“ der Transformation erlebbar zu machen: Altes loslassen, um das Zukünftige einzuladen. Besonders deutlich wird das z.B. im Umgang mit den Kamelen. Die Tiere sind keine bloßen Lastenträger, sondern Spiegel für Führung: Vertrauen statt Zwang: Ein Kamel folgt nicht, weil es muss, sondern weil eine Beziehung entsteht. Präsenz: Man lernt die Gelassenheit und das Durchhaltevermögen der Tiere – Kernkompetenzen im Führungsalltag.
Das Reallabor: Individuum und Gemeinschaft
Oft glauben wir, im Business oder Privatleben völlig unabhängig zu sein. In der Wüste wird dieses Bild korrigiert: Es gibt kein „Ich“ ohne das „Wir“. In der Gemeinschaft der Karawane wird ein Miteinander neu erfahren und eingeübt:
- Schweigend Essen: In der Stille werden die Antennen feiner. Man nimmt Bedürfnisse anderer wahr, ohne dass ein Wort fallen muss.
- Teppichrunden: Hier wird besprochen, was man im Alltag gerne „unter den Teppich kehrt“. Die Gruppe dient dabei als Resonanzraum, der Heilung und Klarheit ermöglicht.
Führung in der Ungewissheit
Nadja betont, dass die Wüste wichtige Lektionen für (Selbst-)Führung bereithält. Zwei Wüstenregeln sind dabei zentral:
1. Es dauert alles länger als gedacht.
2. Es kommt oft anders als geplant.
Wer lernt, in dieser Ungewissheit nicht in Stress zu verfallen, sondern der eigenen Intuition zu vertrauen, gewinnt eine neue Form von Standfestigkeit. Ob in der weichen Sandwüste Marokkos oder der klaren Felslandschaft des Sinai – die Natur ermöglicht eine Demut, die uns am Ende stärker macht.
Fazit: Die Begegnung mit sich selbst
Die Wüste ist ein Ort der radikalen Reduktion, der am Ende zu einer inneren Fülle führen kann. Wie ein alter Nomaden-Spruch sagt: „Gott gab uns das Land zum Leben und die Wüste, um unserer Seele zu begegnen.“
Das inspiriert Nadja:
- Das Staunen von Kindern,
- In Berliner Cafés sitzen und Menschen beobachten
- Die Filme „Fly“ und „Das weinende Kamel“
Shownotes:
- Zu den Wüstenretreats >>
- Nadja Zeschmann bei LinkedIn >>
- Die Wüste begrünen.org
- Sprungbrett AzubiMentoring für geflüchtete und zugewanderte Auszubildende
unsere Gesprächspartner
Nadja Zeschmann
Nadja Zeschmann ist seit über 10 Jahren selbständige Mediatorin und Trainerin und inspiriere mit einer unkonventionellen und mutigen Art Führungskräfte in Schulen, Organisationen und Unternehmen.
Eine gute Selbstführung ist für sie die Basis für ein motiviertes Team. In ihrem Ansatz integriert sie die Körperweisheit und Herzensintelligenz in Modelle zwischenmenschlicher Dynamiken aus Kommunikation, Kultur und Konfliktmanagement und schafft so ein achtsames und verbundenes Miteinander.
Mit ihrer inneren Klarheit, einem tiefen Vertrauen und Humor begleitet sie Menschen und Teams sicher durch innere und äußere „Sandstürme“ und macht so Wandel erlebbar.
Martin Permantier
Martin Permantier ist Autor, Seminarleiter, Speaker und Coach. Er begleitet als Gründer und Geschäftsführer von SHORT CUTS seit über 20 Jahren Unternehmen bei ihrer strategischen Ausrichtung und Positionierung. SHORT CUTS ist eine Agentur für Corporate Identity und unterstützt Unternehmen dabei Kommunikation, Kultur und Design zu entwickeln und auf den Punkt zu bringen.