Episode 269 -
Gemeinwohl - Ökonomie: Werte statt Wachstum

Episode 269 -
Gemeinwohl - Ökonomie: Werte statt Wachstum

Wie soll Wirtschaft eigentlich funktionieren - und für wen? 

Diese Frage treibt unsere drei Gäste Thomas Schmidt, Michael Reinhardt und Michi Schnitzlein seit vielen Jahren um. Sie engagieren sich in der Augsburger Regionalgruppe der Gemeinwohlökonomie-Bewegung. Drei Generationen, drei Berufsbiografien und ein gemeinsames Thema: Wie lässt sich Wirtschaft so gestalten, dass sie tatsächlich den Menschen dient? Im Gespräch mit Martin Permantier wird schnell klar, warum die Gemeinwohlökonomie für alle drei kein akademisches Randthema ist, sondern ein konkretes Werkzeug für die Praxis.

Was die Gemeinwohlbilanz leistet

Die Gemeinwohlbilanz ist das zentrale Instrument: ein strukturierter Prozess, mit dem Unternehmen ihren sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert messbar machen und zertifizieren lassen. Rund tausend Unternehmen haben sich bereits bilanziert, darunter ein Weltmarktführer aus dem Allgäu, der heute Windräder-Transporte über enge Gebirgspässe in Südamerika ermöglicht. Aktuell wird daran gearbeitet, die Gemeinwohlbilanz mit den EU-Berichtspflichten (CSRD/VSME) kompatibel zu machen, ein Vorteil besonders für kleinere Unternehmen in Lieferketten.

Erkenntnisse aus diesem Gespräch:

  • Geld als Mittel, nicht als Zweck. Die Gemeinwohlökonomie fragt: Wofür wirtschaften wir eigentlich? BIP-Wachstum durch Rüstungsexporte oder nach Umweltkatastrophen lässt sich im gleichen Atemzug als Erfolg zählen - und zeigt damit, wie wenig das Bruttoinlandsprodukt über echten Wohlstand aussagt.
  • Werte zuerst, Bilanz danach. Wer die eigenen Werte kennt und benennen kann, trifft bessere Entscheidungen - gerade in unsicheren Zeiten. Genau deshalb beginnen Michael und Michi ihr Seminar an der Uni Augsburg nicht mit Wirtschaftstheorien, sondern mit der Frage: Was ist euch wichtig?
  • Klein anfangen, gemeinsam weiterkommen. Der Einstieg gelingt am leichtesten über Peergroups oder regionale Netzwerke. Kooperation statt Wettbewerb ist dabei keine Idealvorstellung, sondern eine wirtschaftlich tragfähige Strategie.

Thomas, Michael und Michi sprechen aus echten Erfahrungen, als Berater, Lehrende an der Hochschule und aktive Netzwerker in der Praxis. In dieser Folge geht es nicht um Appelle, sondern um konkrete Fragen: Wie steige ich als Unternehmen ein? Was kostet ein Bilanzierungsprozess wirklich an Zeit? Und wie geht diese Bewegung mit der politischen Polarisierung um, die gerade alles, was nach Nachhaltigkeit klingt, unter Generalverdacht stellt? Diese Antworten gibt es in der Folge.

🚀 Zur Gemeinwohl-Ökonomie >>

 

Das inspiriert Thomas Schmidt:

  • In den Alpen/ Bergen beim Wandern sein und neue Menschen treffen.
  • Jazz- & Blues-Musik, am besten live in kleineren Locations.
  • Mit dem E-Fahrrad auf Tour gehen und unterwegs neue Natur und Menschen kennenlernen.
  • Mit meiner Frau weiter gute und tiefgehende Gespräche führen und mit ihr reisen dürfen.
  • Menschen bewegen und motivieren, der Gesellschaft in meinem lokalen Umfeld helfen unser Wirtschaftssystem zukunftsfit zu machen.
  • Und dabei generationsübergreifend, wie es im Koordinatorenteam der RG Augsburg so kooperativ und konstruktiv gelebt wird, aktiv sein können.

Das inspiriert Michael Reinhardt:

  • Generativer Dialog, bewusstes Zuhören & Sprechen.
  • Netzwerktreffen mit verantwortungsbewusst agierenden Menschen.
  • Meditation und Natur.
  • Die Vision einer lebenswerten Zukunft für nachfolgende Generationen.

Das inspiriert Michael (Michi) Schnitzlein:

  • Unternehmen, welche die klassischen Marktregeln kritisch betrachten und aktiv verändern.
  • Menschen die unermüdlich für ihre Überzeugungen kämpfen.
  • Ein gutes Glas Rum.

 

 

unsere Gesprächspartner

Thomas Schmidt

gdg-ingenieurbuero.de

Thomas Schmidt ist Ruheständler, Unternehmer und Gründer.

Als Angestellter lernte er vom Kleinunternehmen bis zum börsennotierten Konzern diverse Unternehmens- und Vertriebskulturen kennen. Thomas war als Vertriebs-Ingenieur von Mediendiensten bis hin zu Investitionsgütern über dreißig Jahre erfolgreich tätig. Er gründete 2016 dass GdG-Ingenieurbüro mit dem Ziel, seine Erfahrungen zukünftig nun kleineren Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Michael Reinhardt

wvl-bayern.de

Michael Reinhardt arbeitet im Bereich „Gesundheit im Arbeitskontext“. Tätig im eigenen Familienbetrieb berät er Unternehmen zur Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen und motiviert Mitarbeitende zu gesundheitsbewusstem Verhalten.

Als Mitgründer der Meet your Purpose Genossenschaft unterstützt er Organisationen mit digitalen Tools in Transformationsprozessen. In Augsburg engagiert er sich in der Gemeinwohlökonomie und im städtischen Nachhaltigkeitsprozess für verantwortungsbewusstes Wirtschaften.

Michael (Michi) Schnitzlein

Michael Schnitzlein ist Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt nachhaltiges Wirtschaften und strategische Entscheidungsfindung.

Seit 2022 ist er PhD-Kandidat an der Universität Augsburg sowie Visiting Researcher am Leonardo Centre for Business & Society des Imperial College London (seit Mai 2025). Seine Forschung untersucht die kognitive Wahrnehmung organisatorischer Nachhaltigkeitssignale und wie diese in institutionellen Feedback-Schleifen echten Impact generieren. Desweiteren untersucht er wie CEOs Entscheidungen unter Druck treffen und wie politischen Ideologien dieses Verhalten beeinflussen. Im Vorstand des Bayerischen Vereins der Gemeinwohl-Ökonomie, sowie als Koordinator der GWÖ-Regionalgruppe Augsburg macht er sich stark für eine Transformation der Wirtschaft. Hin zu einer Wirtschaft die dem Menschen dient und nicht anders herum.

Kontakt: michael.schnitzlein@uni-a.de

 

Martin Permantier

Martin Permantier

short-cuts.de

Martin Permantier ist Autor, Seminarleiter, Speaker und Coach. Er begleitet als Gründer und Geschäftsführer von SHORT CUTS seit über 20 Jahren Unternehmen bei ihrer strategischen Ausrichtung und Positionierung. SHORT CUTS ist eine Agentur für Corporate Identity und unterstützt Unternehmen dabei Kommunikation, Kultur und Design zu entwickeln und auf den Punkt zu bringen.