Episode 274 -
Integrale Gesprächsführung - im Journalismus und darüber hinaus

Episode 274 -
Integrale Gesprächsführung - im Journalismus und darüber hinaus

Talkshows, Interviews, politische Debatten - viele öffentliche Gespräche fühlen sich an wie aneinander vorbeigehen, wie offen ausgetragene Konflikte und sind selten Vorbilder für verbindende Kommunikation.

Was wäre, wenn Journalismus die Kraft entfaltet, zu persönlicher und gesellschaftlicher Entwicklung beizutragen, dazu zu befähigen gemeinsam Zukunft zu gestalten? 

Gemeinsam mit dem Spiegel-Journalist Stefan Schultz geht Martin der Frage nach, wie sich Journalisten:innen ebenso wie jede:r von uns in der Kommunikation dahin auf den Weg machen kann.

Gleiche Sprache - andere Welten

Martin und Stefan kennen sich schon eine Weile. In dieser Folge steht Stefans Projekt des integralen Journalismus im Mittelpunkt: ein Modell, das progressive Journalismus-Ansätze mit Methoden aus Psychologie, Coaching und Systemtheorie vereint. Persönlichkeitsentwicklung gilt hier als zentrales Moment. Wer sich hier als Journalist:in weiterentwickelt, so die These, entwickelt auch seine Haltung, Kommunikation und Geschichten weiter.

Was passiert, wenn sich verschiedene Haltungen begegnen

In vielen Gesprächen im öffentlichen Raum, Talkshows, Interviews, politischen Debatten sprechen Menschen zwar dieselbe Sprache - scheinen sich aber nicht auf einer gemeinsamen Kommunikationsebene zu befinden.

Stefan und Martin gehen der Frage nach, warum: Oft begegnen sich Gesprächspartner:innen aus grundlegend unterschiedlichen inneren Haltungen. Integrale Gesprächsführung versucht, sich auf die Haltung des Gegenübers einzuschwingen, mit der Intention, anschlussfähiger zu werden. Das gilt in beide Richtungen: für die interviewte Person genauso wie für die Interviewenden selbst.

Zentrale Erkenntnisse dieser Folge: 

  • Würdigen ist nicht dasselbe wie gutheißen. Hinter aggressiven oder starren Aussagen steckt oft ein unerfülltes Bedürfnis - Ohnmacht oder das Gefühl nicht gesehen zu werden, Zorn. Wer das anerkennt, hält den Kontakt, ohne zuzustimmen. Und wer im Kontakt bleibt, hat überhaupt eine Chance auf Begegnung, Erkenntnis und Verständniss - das gilt im Interview genauso wie im privaten Gespräch. 
  • Jede Geschichte hat viele Ebenen - und gute Narrative bedienen viele davon. Stefan und Martin entwickeln das Konzept der *skalierenden Narrative*: Geschichten, die auf der einfachsten Ebene das unmittelbare Erleben ansprechen, auf der nächsten Fakten und Einordnung bieten, und auf einer weiteren auch Paradoxien und Komplexität umhüllen. Nelson Mandela ist Ihnen ein Beispiel - als jemand, der es schaffte, hochkomplexe Inhalte in einfache, berührende, Menschen verbindende Erzählungen zu übersetzen, ohne die Tiefe zu verlieren.
  • Journalismus hat eine noch kaum ausgeschöpfte Rolle: gesellschaftliche Reifung begleiten. Das klassische Auftreten der journalistischen Leitmedien wird der Komplexität unserer Zeit nicht mehr ausreichend gerecht. Was Stefan als „gesellschaftsdienlichen Journalismus" beschreibt, geht weiter: Verbundenheit schaffen, Resonanzräume öffnen, Debatten nicht verhärten, sondern verflüssigen und Versöhnung als gesellschaftliches Narrativ etablieren.

Stefan und Martin nehmen sich fast zwei Stunden Zeit. Wir hören Ihnen bei Denken zu. Was dabei entsteht, ist kein Rezeptheft, sondern ein ernsthaftes Erkunden: Wie kann Verständigung gelingen, wenn Haltungen weit auseinanderliegen? Und was hat die eigene Entwicklung damit zu tun, wie gut jemand zuhören und sich auf ein Gegenüber einstimmen kann?

Wer im Bereich Journalismus, Kommunikation, Coaching oder gesellschaftlichem Zusammenhalt unterwegs ist, oder tiefer verstehen möchte, warum öffentliche Debatten so oft polarisieren und wie verbindende Kommunikation möglicher wird, findet hier Perspektiven.

Und wer nicht nur nachdenken, sondern auch üben möchte: Stefans Masterclass für integralen Journalismus startet im August in eine neue Runde.

 

Zum PDF Integraler Journalismus - "Journalistische Gespräche" >>

 

Das inspiriert Stefan: 

  • Ich liebe es, mich als Gitarrist, Sänger und DJ der musikalischen Improvisation hinzugeben und tief in die dabei entstehenden emotionalen Landschaften einzutauchen.
  • Ich liebe den Austausch mit Menschen aus fast allen Kultur- und Gesellschaftsschichten, die Bücher von Milan Kundera und Antonio Tabucci, die meisten Filme von Jim Jarmusch und ausgedehnte Kochabende mit Freunden, Rotwein und meiner Vinyl-Sammlung.


Community HALTUNG ERWEITERN

Zum PDF Integraler Journalismus - "Journalistische Gespräche" >>

unsere Gesprächspartner

Stefan Schultz

integraler-journalismus.org

Stefan Schultz, Jahrgang 1980, zwei Söhne, ist Gründer des Instituts für Integralen Journalismus (IfIJ), das sich für eine perspektivenreichere, selbstreflektiertere, empathischere und inspirierende Berichterstattung und für eine reifere Diskurskultur einsetzt.

Er arbeitet als Wirtschaftsredakteur beim SPIEGEL, war als Korrespondent in San Francisco, New York und Peking und hat Multimedia- und Mixedmedia-Reportagen aus aller Welt veröffentlicht.

 

Martin Permantier

Martin Permantier

short-cuts.de

Martin Permantier ist Autor, Seminarleiter, Speaker und Coach. Er begleitet als Gründer und Geschäftsführer von SHORT CUTS seit über 20 Jahren Unternehmen bei ihrer strategischen Ausrichtung und Positionierung. SHORT CUTS ist eine Agentur für Corporate Identity und unterstützt Unternehmen dabei Kommunikation, Kultur und Design zu entwickeln und auf den Punkt zu bringen.