Episode 277 -
Führungsimpulse 26

Episode 277 -
Führungsimpulse 26

Wenn Führung spürbar wird - Führungsimpulse 26

Wir präsentieren Dir in dieser Folge den Mitschnitt der Veranstaltung Führungsimpulse 26, die am 24.04.26 in Hannover stattgefunden hat.
Hintergrund: Aus dem Netzwerk „Systemische und transformative Autorität in Organisation und Führung“ heraus ist die Idee entstanden, einen gemeinsamen Tag für und mit den Kunden, Kolleginnen und Interessierten zu gestalten. 

Bruno Körner, Dagmar Hoefs, Frank Baumann-Habersack, Harald Kurp und Martin Lemme haben hier eingeladen zu Austausch – Reflexion - Entwicklung im Kontext von Autorität in Organisation und Führung.

Sie haben hier fünf Impulse von jeweils knapp 10 Minuten gegeben und die Aufzeichnungen dieser Impulse stellen wir in dieser Podcastfolge zur Verfügung. 

Inhalte der 5 Impulse:

Bruno Körner: Einblenden des Ausgeblendeten – Ästhetik in Führung.

Bruno beginnt mit einer ungewöhnlichen Einladung: Augen schließen, innehalten, wahrnehmen. Was wirkt schon, bevor jemand das erste Wort gesagt hat?

Sein Thema ist Ästhetik im ursprünglichen Wortsinn: sinnliche Wahrnehmung, die Fähigkeit, das zu bemerken, was wirkt, bevor es benannt wird. Führende reagieren oft auf Inhalte, während das System sich längst anderswo organisiert. Erschöpfung im Raum, Scham, eine verdichtende Atmosphäre: Das sind keine Nebensächlichkeiten, sondern Führungsinformationen. Systemische Autorität entsteht dort, wo jemand Verantwortung für das Ganze übernimmt - ohne sich dabei über andere zu erheben.

Eine zentrale Aussage: „Wahrnehmung selbst wird zu einer Form von Führung. Wer führt, ohne zu bemerken, was im Hintergrund eines Systems wirkt, reagiert möglicherweise nur auf die Oberfläche."

 

Dagmar Hoefs: Psychologische Sicherheit statt Angst vor Beschämung.

Dagmar knüpft an Brunos Impulse an und nimmt eine Emotion in den Blick, die in Organisationen selten beim Namen genannt wird: Scham.

Scham ist eine universelle Emotion, die sich unterschiedlich ausdrückt, aber alle kennen. Beschämung entsteht oft ohne böse Absicht, ein Augenrollen, eine unbedachte Antwort auf einen Fehler –, hinterlässt aber Spuren: Wer einmal beschämt wurde, kommt mit Unsicherheiten seltener wieder. Was hilft, sind Mut, Verbundenheit und die Bereitschaft, als Führende voranzugehen – Fehler zu benennen und auf Mitgefühl zu hoffen.

Eine zentrale Aussage: Psychologische Sicherheit entsteht dort, wo auch Führende sagen können: „Ich habe einen Fehler gemacht - wie gehen wir damit um? Das ist keine Schwäche, sondern eine Einladung zu gemeinsamer Entwicklung.

 

Dr. Frank Baumann-Habersack: Deeskalierte Eskalation für Transformation. 

Deeskalation und Beharrlichkeit gelten als Goldstandard im Umgang mit eskalierten Konflikten - für viele Situationen vermutlich zu Recht. Frank benennt jedoch einen blinden Fleck: Es gibt Konstellationen, in denen dieser Ansatz nicht transformiert, sondern stabilisiert, was bereits dysfunktional ist.

Er nennt diese Konstellationen stark egozentrierte Systeme: Personen oder Teams, die Kritik und Widerstand nicht als Veränderungsimpuls verarbeiten, sondern als Nahrung für die Stabilisierung ihrer bestehenden Ordnung nutzen. Diese Systeme wirken nach außen häufig normal, kontrolliert, bisweilen sogar zugewandt. Der Unterschied zeigt sich im Umgang mit Feedback: Es bleibt folgenlos. Grenzen werden zur Kenntnis genommen, aber weiterhin überschritten. Gespräche finden statt - aber nur in einer Form, die das System selbst kontrolliert.

Was dann helfen kann: das Muster konkret benennen statt nur anzudeuten, aus der vorhersehbaren Rolle aussteigen, strukturelle Konsequenzen ziehen - und aufhören, an der Mitstabilisierung dysfunktionaler Muster teilzunehmen. All das, betont Frank ausdrücklich, nicht mit dem Ziel der Entwertung, sondern als entschiedener Schutz . Würde wahren bedeute hier nicht zu schonen, was andere beschädigt.

Eine zentrale Aussage: „Nicht alles, was deeskaliert und beharrlich zu einer Ruhe führt, ist auch tatsächlich Frieden." Manchmal braucht es keine weitere Geduld, sondern veränderte Bedingungen.

 

Harald Kurp: Zwischen Sinnüberschuss und Sinnverlust. 

Harald nähert sich dem Begriff Sinn über das konkrete Erleben: Was passiert in uns, wenn wir tiefe Bedeutung erfahren - und was, wenn sie verloren geht?

Sinnüberschuss zeigt sich in Flow, berührenden Begegnungen, dem Staunen vor Geburt oder Heilung - kaum kognitiv fassbar, aber spürbar in Freude, Ehrfurcht und Verbundenheit. Sinnverlust bringt das Gegenteil: bürokratische Absurditäten, gescheiterte Projekte, das Gefühl der Bedeutungslosigkeit, im Extremfall die Erschütterung des Lebenswillens. Was beide Pole verbindet: Sie sind keine Ausnahmen im Berufsalltag, sondern potenzielle Schlüsselmomente von Veränderung. Führen in diesen Momenten bedeutet (aus)halten, ohne vorschnell zu deuten - und Resonanz zu ermöglichen.

Eine zentrale Aussage: Sinnüberschuss und Sinnverlust sind Momente, in denen sich entscheidet, ob Transformation möglich wird. Führung, die das erkennt, hält Raum, statt vorschnell zu deuten.

 

Martin Lemme: Nicht-Gewalt – eine demokratische Führungshaltung. 

Martin nimmt Gandhis Denken als Grundlage für ein zeitgemäßes Führungsverständnis. Gandhi verdichtete seine Haltung in drei Begriffen:

- *Satyagraha* - die Kraft der Wahrheit, Seelenkraft, innere Entschiedenheit, aktiv für etwas einzustehen, ohne Gewalt einzusetzen.

- *Ahimsa* - Gewaltfreiheit nicht als Taktik, sondern als gelebte Kohärenz von Haltung und Handlung.

- *Swaraj* - Selbstdemut, Servant Leadership, anderen Entwicklung ermöglichen: Hindernisse aus dem Weg räumen, Ressourcen zugänglich machen, die Autonomie aller wahren.

Übertragen auf heutige Führungsrealität heißt das: geschützte Kanäle für Rückmeldung, Null Toleranz für Mobbing und Gossip, Orientierung an einem gemeinsamen, höheren Ziel. Diese Haltung ist eher Vision als erreichbares Ideal - und trägt gerade deshalb als Maxime. Den Abschluss bildet ein Gedanke von Judith Butler: Gewaltlosigkeit ist ein Kampf - für die Verteidigung von Verbundenheit gegen das, was sie zerreißen kann.

Eine zentrale Aussage: Führung als Gewaltfreiheit bedeutet nicht Konfliktlosigkeit, sondern Entschiedenheit aus Haltung - die Fähigkeit, unbequeme Positionen zu vertreten und dabei die Würde aller Beteiligten zu wahren.

 

Shownotes:

 

PDF zu den 5 Vorträgen >>

unsere Gesprächspartner

B. Körner, D. Hoefs, F. Baumann-Habersack, H. Kurp, M. Lemme

Mitschnitt der Veranstaltung Führungsimpulse 26, die am 24.04.26 in Hannover stattgefunden hat.

Hintergrund: Aus dem Netzwerk „Systemische und transformative Autorität in Organisation und Führung“ heraus ist die Idee entstanden, einen gemeinsamen Tag für und mit den Kunden, Kolleginnen und Interessierten zu gestalten. 

Bruno Körner, Dagmar Hoefs, Frank Baumann-Habersack, Harald Kurp und Martin Lemme haben hier eingeladen zu Austausch – Reflexion und Entwicklung im Kontext von Autorität in Organisation und Führung.

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