Episode 280 -
Einblicke in die Emergetik

Episode 280 -
Einblicke in die Emergetik

Was, wenn Entwicklung weniger eine Leistung ist, die wir erbringen – und mehr etwas, das entstehen kann, wenn es uns möglich wird, soziale oder emotionale Spannung zu halten?

In dieser Folge sprechen Martin, Susanne und Christoph über ihr neues gemeinsames Lieblingsthema: die Emergetik.

Emergetik, das Wort ist eine neue Schöpfung, die Gedanken dahinter wachsen schon länger. Es setzt sich zusammen aus:

  • Emergenz: Sie beschreibt, wie etwas entsteht, das sich nicht vollständig planen lässt
  • Energetik: Entwicklung braucht Spannungsenergie
  • Systemik: Sie findet in sozialen Kontexten statt
  • Ethik: Die Veränderung von Bedeutungsgebung
  • Resonanzintelligenz: Unsere Haltung bildet den Resonanzraum

Entwicklung vollzieht sich nicht linear – und auch nicht allein

Ein roter Faden: Veränderung lässt sich nicht einfach beschließen oder durchschalten. Sie vollzieht sich in kleinen Entscheidungen, in Momenten, wo etwas „aus der Hand glitscht" – wo das Vertraute seine Selbstverständlichkeit verliert, ohne dass das Neue schon Gestalt angenommen hat. Diesen Zwischenraum nennen Susanne und Christoph „Formbruch und Formkeimung".

Er wird manchmal als unangenehm empfunden und ist gleichzeitig ein Ermöglichungsraum von Ent-wicklung. Was dabei immer mitschwingt: Entwicklung findet eher selten im Stillen, alleine statt, sondern im Kontakt, in Beziehung – zwischen uns.

Was wir noch nicht fühlen können

Manche Gefühle sind noch nicht Teil unseres sozialen Gewebes. Am Beispiel von Scham wird deutlich: Sie durchsättigt Systeme, bleibt aber unsichtbar und unbesprechbar – weil noch keine Kulturform existiert, sie zu halten. Da stellt sich die Frage: Welche Gefühle, welche Gedanken sind schon vorhanden, sind aber noch nicht Teil sozialer Praktiken und alltäglicher Kommunikation, sind noch nicht artikulierter, besprechbar? Emergetik ist auch ein Versuch hier tiefer zu schauen – nicht um Antworten zu geben, sondern um den Raum für das noch Namenlose offenzuhalten.

Die Schwerpunkte dieser Folge:

  • Resonanzfelder für neue Haltungen sind immer schon da – sie stehen uns nur noch nicht zur Formbildung zur Verfügung. Das ist kein Defizit, sondern ein Hinweis auf das, was noch kommen kann.
  • Persönliche Entwicklung und organisationale Veränderung hängen zusammen: Wer in seinem direkten Umfeld anders kommuniziert, verändert das System unmittelbar – auch ohne große Transformation von oben.
  • Der emergetische Blick ist haltungsunabhängig: Es geht darum, Spannungen lange genug zu halten, um nicht in alten Mustern zu reagieren – und so Raum zu öffnen für das, was als Nächstes entstehen möchte/könnte.

 

unsere Gesprächspartner

Martin Permantier

Martin Permantier

emergetik.de

Ich begleite Unternehmer:innen und Führungskräfte in Phasen persönlicher Entwicklung, anspruchsvoller Entscheidungen und tiefgreifender Veränderung. Dabei begegne ich ihnen nicht als externer Experte, sondern als Unternehmer, Vater von drei Kindern und Mensch, der Verantwortung, Unsicherheit und Entwicklung aus eigener Erfahrung kennt.

Seit über 30 Jahren gestalte ich Unternehmen, helfe Unternehmer*innen und Führungskräften und weiß, wie eng persönliche Entwicklung und unternehmerische Realität miteinander verbunden sind. Deshalb stehen bei mir nicht Methoden oder schnelle Lösungen im Mittelpunkt, sondern die Erweiterung von Wahrnehmung, Haltung und Resonanz. Aus dieser Klarheit entstehen haltbare Entscheidungen, die sowohl der Person als auch ihrer Verantwortung gerecht werden.

 

Susanne M. Zaninelli

culture-contact.com

Susanne M. Zaninelli und ihr Team befähigen Organisationen, in Zeiten des Wandels, innovativ und ko-kreativ, mit unterschiedlichen organisatorischen, regionalen und nationalen Kulturen zusammenzuarbeiten und Neues zu gestalten.

Sie konzipieren und leiten weltweit internationale und interkulturelle Programme für High Potentials und Führungskräfte. Susanne ist eine auf allen Kontinenten tätige Expertin für Kultur und Kulturwandel. Sie ist Unternehmerin, Autorin, Beraterin, Trainerin, Personal Coach und Rednerin. Seit 30 Jahren befähigt sie mit Ihrem Team über 30 Global Player auf ihrem Weg durch den Wandel.

Mit jahrzehntelanger, weltweiter Erfahrung begleiten Susanne und ihr interkulturelles Team die kontinuierliche Weiterentwicklung von individuellem Mindset, Kultur und Verhalten. So wurde beispielweise in Kooperation mit SwissTeach eine 7-teilige E-Learning Reihe zu „Kulturelle Kompetenz für eine Welt in Bewegung“ entwickelt.
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Christoph Jan Kramer

os-hho.de

Christoph ist diplomierter Heilpädagoge und Kunsttherapeut. Neben dem Studium war er als Grafik-Designer tätig. Nach dem Studium war er als Heilpädagoge in KiTas tätig, seit 2005 arbeitet er in der Frühförderung der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück, die er seit 2016 leitet. Zudem ist er im Arbeitsbereich Kindheit und Jugend des Trägers an der dynamischen Organisationsentwicklung beteiligt.

Er ist ein großer Freund von sinnvollen Automatisierungen und Digitalisierung, sowie ein Anhänger der Systemtheorie Niklas Luhmanns.